Future Skills wie Einfühlungsvermögen, kritisches Denken und Anpassungsfähigkeit werden in der sich schnell wandelnden Lebens- und Arbeitswelt immer wichtiger. Anders als viele Fachkompetenzen lassen sich Future Skills nicht einfach durch Prüfungsaufgaben erfassen. Mithilfe eines Selbsttests, dem sogenannten Future-Skills-Assessment, können wir diese Kompetenzen trotzdem sichtbar machen. Dieser Beitrag zeigt, wie das möglich ist – einfach erklärt.

Was sind Future Skills?

Future Skills sind überfachliche Kompetenzen. Das heißt: Kompetenzen, die für alle Lebensbereiche und beruflichen Fachrichtungen relevant sind. In der Arbeitswelt sind Future Skills heutzutage besonders wichtig, weil sich diese in einem hohen Tempo verändert. Die richtigen Kompetenzen helfen uns, stetig dazulernen und uns an neue Arbeitssituationen anpassen zu können. Beispielsweise bedienen Anlagenmechaniker:innen viele Maschinen inzwischen nicht mehr mechanisch, sondern über eine Software. Per E-Mail bekommt man häufig betrügerische Nachrichten, die man erkennen muss. Mit diesen Veränderungen umzugehen, erfordert Lernbereitschaft, diverse digitale Kompetenzen und weitere Future Skills.

Je nach Zielgruppe gibt es verschiedene Kompetenzmodelle für Future Skills. Wir benutzen das Kompetenzmodell ESCO (European Skills, Competences, Qualifications and Occupations). Das EU-weite Modell gewährleistet die Vergleichbarkeit beruflicher Kompetenzen und deckt auch Kompetenzen aus anderen bekannten Modellen ab (z. B. dem Big-Five-Modell aus der Psychologie und O*NET aus den USA).

Wie können wir Future Skills sichtbar machen?

Eine objektive Messung von Future Skills mit Prüfungsaufgaben ist sehr kompliziert bis unmöglich. Es ist einfacher, wenn sich Menschen selbst einschätzen. Natürlich funktioniert das nicht, wenn wir fragen: „Bist du verlässlich?“. Das Ergebnis wäre dann sehr ungenau. Stattdessen überlegen wir für jede Kompetenz, an welchen Verhaltensweisen man sie genau erkennt. Also: Woran erkennen wir, ob jemand verlässlich ist? Zum Beispiel daran, ob jemand angenommene Aufgaben auch erledigt. Wir können Menschen also fragen, wie sehr sie dieser Aussage zustimmen: „Wenn ich eine Aufgabe annehme, erledige ich sie auch.“ Diese Aussagen in Fragebögen nennt man „Items“. Die Items kann jede:r unterschiedlich beantworten. Oft gibt es 6 Antwortoptionen von „ich stimme gar nicht zu“ bis „ich stimme voll zu“.

Wie stellen wir sicher, dass die Items für die Zielgruppe verständlich sind?

Bevor ein Item in einem Fragebogen auftaucht, legt es einen langen Weg zurück. In unserem neuen Projekt wollen wir herausfinden, wie junge Menschen im Freiwilligendienst ihre Future Skills einschätzen und insbesondere, wie sich diese Einschätzung im Laufe ihres Freiwilligendienstes verändert. Außerdem wollen wir die Ergebnisse mit anderen jungen Menschen zwischen 16 und 27 Jahren vergleichen (auch denjenigen, die keinen Freiwilligendienst machen). Bei der Entwicklung unseres Fragebogens ist dieser Kontext einer von mehreren Aspekten, die wir beachten müssen. Das nennen wir Kontext-Angemessenheit. Viele unserer Items beziehen sich auf Situationen am Arbeitsplatz. Unsere Zielgruppe hat jedoch unterschiedliche Arbeitsplätze. Manche sind noch in der Schule, andere im Studium, und wieder andere gehen ihre ersten Schritte im Berufsleben – so auch etwa Auszubildende oder Menschen im Freiwilligendienst. Deshalb sind die Items so allgemein formuliert, dass sie sich auf unterschiedliche Arbeitsplätze beziehen können. Zum Beispiel: „Ich gelte unter Menschen, mit denen ich arbeite, als zuverlässig“.

Nachdem wir die Kontext-Angemessenheit der Items sichergestellt haben, wird ein Verständlichkeitstest durchgeführt. Dafür arbeiten wir mit Psycholog:innen zusammen, die sich gut mit Fragebögen auskennen. Diese prüfen bei jedem Item, ob es eindeutig und klar formuliert ist, und greifen dabei auf ihre fachliche Expertise zurück. Darüber hinaus befragen sie auch Menschen aus unserer Zielgruppe (16- bis 27-Jährige). Das machen sie mit der sogenannten Think Aloud Methode. Dabei schauen sich junge Menschen die Items an und sprechen laut aus, woran sie denken. So können die Psycholog:innen erkennen, ob die Teilnehmenden bei der Bearbeitung des Fragebogens auch an die Situationen denken, an die sie denken sollen. Wenn jemand bei einer allgemein formulierten Frage beispielsweise an sein privates Umfeld denkt, wir aber eine Antwort zum Arbeitsplatz haben wollten, müssen wir das Item umformulieren.

Wie stellen wir sicher, dass der Fragebogen verlässlich die gewünschten Kompetenzen misst?

Neben der Verständlichkeit ist es wichtig, dass die Items tatsächlich diejenigen Kompetenzen abbilden, die der Fragebogen messen soll. Jede Kompetenz äußert sich in mehreren verschiedenen Verhaltensweisen. Deshalb sollte ein Fragebogen jede Kompetenz auch mit mehreren Items abfragen, um eben diese verschiedenen Verhaltensweisen möglichst vollständig zu erfassen. Auch hier holen wir uns Unterstützung von erfahrenen Psycholog:innen. Sie prüfen, ob die Items wissenschaftlichen Standards entsprechen und sich an bewährten Fragebögen und Formulierungskriterien orientieren. Zusätzlich machen wir einen Probedurchlauf mit einer Stichprobe von ca. 500 Personen unserer Zielgruppe (16- bis 27-Jährige), um herauszufinden, wie gut die Items in der Realität funktionieren.

Bei der Auswahl der besten Items durch den Probedurchlauf achten wir auf zwei Aspekte: Validität und Reliabilität. Zur Reliabilität: Wenn die Items in einem Fragebogen die Kompetenzen zuverlässig abbilden, dann ist der Fragebogen reliabel (=zuverlässig, konsistent). Konkret bedeutet das: Die Ergebnisse von Items, die zu derselben Kompetenz gehören, sollten tendenziell ähnlich sein. Wenn die Antworten von einem Item zu Verlässlichkeit ganz anders ausfallen als die Antworten von anderen Items zu Verlässlichkeit, dann misst das eine Item die Kompetenz wahrscheinlich nicht so zuverlässig wie die anderen und sollte lieber entfernt werden. Zur Validität: Wenn die Items in einem Fragebogen die Kompetenzen, die wir messen wollen, gut und vollständig abbilden, dann ist der Fragebogen valide (= gültig). Konkret bedeutet das: Die Ergebnisse von Kompetenzen, die wenig miteinander zu tun haben, sollten sich nicht zu ähnlich sein. Kompetenzen lassen sich übergeordneten Kategorien zuordnen. Zum Beispiel gehört die Kompetenz Verlässlichkeit zu den Selbstmanagement-Kompetenzen, und die Kompetenz Einfühlungsvermögen gehört zu den Sozialen und Kommunikativen Kompetenzen. Wie verlässlich jemand ist, ist unabhängig von, wie einfühlsam er/sie ist. Deshalb sollte es zwischen den Antworten der beiden Kompetenzen keine zu starken Zusammenhänge geben. Gleichzeitig sollten sich die Ergebnisse von Kompetenzen, die eng miteinander verbunden sind (die also zu derselben Kategorie gehören), relativ ähnlich sein. Mithilfe dieser beiden Überprüfungen (Validität & Reliabilität) wählen wir nach dem Probedurchlauf pro Future Skill die fünf besten Items aus.

Wie stellen wir sicher, dass wir aussagekräftige Vergleiche anstellen können?

Jetzt müssen wir unseren Fragebogen, also das Future-Skills-Assessment, nur noch mit einer Vergleichsgruppe durchführen, um ihre Ergebnisse, mit denen der Freiwilligendienst-Leistenden vergleichen zu können. Diesen Vorgang nennt man Normierung. Wie auch schon bei dem Probedurchlauf besteht die Vergleichsgruppe aus zufällig ausgewählten Menschen zwischen 16 und 27 Jahren. Es ist wichtig, dass wir genug Teilnehmende haben, damit die Ergebnisse aussagekräftig sind. Zusätzlich soll die Vergleichsgruppe die Bevölkerung möglichst genau abbilden. Denn: Wenn beispielsweise der Anteil von 16-Jährigen in der Vergleichsgruppe viel höher wäre als in der Bevölkerung, wären unsere Daten verzerrt und nicht repräsentativ. Repräsentativität kann nicht für jedes kleine Detail erreicht werden. Deshalb suchen wir uns bestimmte Merkmale aus, die einen großen Einfluss auf die Ergebnisse haben könnten, zum Beispiel Alter und Geschlecht. Nach der Normierung ist der Fragebogen mit den Items, also das Future-Skills-Assessment, einsatzbereit!

Zum Abschluss noch einmal das Wichtigste in Kürze:

  • Future Skills sind Kompetenzen, die für alle Fachrichtungen und das alltägliche Leben wichtig sind, zum Beispiel Verlässlichkeit, kritisches Denken oder Lernbereitschaft.
  • Future Skills kann man gut durch eine Selbsteinschätzung messen. Dafür muss ein Fragebogen entwickelt werden.
  • Der Fragebogen enthält für jeden Future Skill, den wir messen wollen, mehrere Items. Items beschreiben typische Verhaltensweisen, in denen sich ein Future Skill äußert.
  • Um die passendsten Items für jeden Future Skill auszuwählen, müssen wir mehrere Tests machen: Wir prüfen die Verständlichkeit, die Reliabilität und die Validität. Dafür arbeiten wir mit Psycholog:innen und einer Stichprobe der Zielgruppe (16- bis 27-Jährige) zusammen.
  • Mit dem fertigen Fragebogen können sich junge Menschen selbst einschätzen und so sehen, welche ihrer Kompetenzen mehr und welche weniger ausgeprägt sind und wie sie sich im Vergleich zu anderen Gleichaltrigen eingeschätzt haben.