Die Energiewende erweist sich als stabiler Jobmotor, selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Seit 2019 hat sich die Zahl der Stellenangebote in diesem Sektor mehr als verdoppelt, was zeigt, dass der Wandel hin zu erneuerbaren Energien nicht nur ökologisch, sondern auch arbeitsmarktpolitisch von großer Bedeutung ist. Mittlerweile macht die Branche knapp vier Prozent aller offenen Stellen in Deutschland aus – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den anderthalb Prozent vor fünf Jahren. Dies bedeutet, dass etwa jede 26. Stellenausschreibung heute mit der Energiewende in Verbindung steht.
Widerstandsfähige Branche mit steigender Nachfrage
Während die Gesamtzahl der Stellenausschreibungen in Deutschland im letzten Jahr um 16 Prozent gesunken ist, verzeichnete die Branche der Energiewende nur einen Rückgang von acht Prozent. Trotz der allgemeinen Rezession entstehen weiterhin neue Arbeitsplätze in diesem Bereich.
Solarenergie als Treiber der Energiewende
Ein zentraler Faktor für den Arbeitsmarktboom im Bereich der erneuerbaren Energien ist die Solarenergie. Die Zahl der offenen Stellen in diesem Segment ist zwischen 2019 und 2024 von 41.500 auf 102.000 gestiegen. Zwar gab es von 2023 bis 2024 einen leichten Rückgang, dennoch liegen die Zahlen immer noch mehr als doppelt so hoch wie vor fünf Jahren. Auch die Windenergiebranche hat sich dynamisch entwickelt – trotz der wirtschaftlichen Abschwächung stieg die Anzahl der Stellenangebote hier um 70 Prozent auf fast 53.000. Die Genehmigungsrekorde im Jahr 2024 deuten darauf hin, dass diese Entwicklung anhalten wird.
Energieinfrastruktur als Schlüssel zur Energiewende
Neben der direkten Erzeugung von erneuerbarer Energie gewinnt der Ausbau der Energieinfrastruktur zunehmend an Bedeutung. Ohne leistungsfähige Netze und Speichermöglichkeiten können die Potenziale der erneuerbaren Energien nicht vollständig ausgeschöpft werden. In den letzten sechs Jahren ist der Bedarf an Fachkräften für die Energieinfrastruktur stark gestiegen. Hier entstehen mittlerweile doppelt so viele Jobs wie bei der Erzeugung erneuerbarer Energien. Besonders die Wasserstoffbranche zeigt eine enorme Wachstumsdynamik – die Anzahl der ausgeschriebenen Stellen hat sich in diesem Bereich seit 2019 fast verfünffacht. Ein robuster Infrastrukturausbau ist nicht nur für die Energiewende entscheidend, sondern auch für die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen.
Fachkräftemangel bleibt eine Herausforderung
Wie in vielen anderen Bereichen des Arbeitsmarktes kämpft auch die Energiewendebranche mit einem erheblichen Fachkräftemangel. Besonders gefragt sind qualifizierte Handwerker:innen und technische Fachkräfte. Fünf von zehn relevanten Berufen für die Erneuerbaren Energien zählen zu den sogenannten Engpassberufen, in denen die Nachfrage nach Arbeitskräften weit über dem verfügbaren Angebot liegt. Dazu gehören unter anderem Bauelektriker:innen, Fachkräfte für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie Spezialist:innen für regenerative Energietechnik. In der Energieinfrastruktur ist die Situation noch angespannter: Hier gehören sechs der zehn wichtigsten Berufe zu den Engpassberufen, darunter auch Fachkräfte für den Rohrleitungsbau sowie Expert:innen für Elektrotechnik.
Quereinsteiger:innen als Chance für den Arbeitsmarkt
Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, zeigen sich immer mehr Unternehmen offen für Quereinsteiger:innen. In den letzten fünf Jahren hat sich der Anteil der Stellen, die auch für Personen ohne klassische Ausbildung in diesem Bereich offenstehen, deutlich erhöht. Besonders im Helfer:innen-Bereich ist dieser Anteil von 3,8 auf 8,8 Prozent gestiegen. Auch für Fachkräfte gibt es zunehmend Möglichkeiten zum Quereinstieg. In der Energieinfrastruktur hat sich der Bedarf an Quereinsteiger:innen ebenfalls verdoppelt.
Fazit: Energiewende als zukunftssicherer Arbeitsmarkt
Die Energiewende bleibt auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein Stabilitätsfaktor für den Arbeitsmarkt. Während in anderen Industrien Stellen abgebaut werden, entstehen hier weiterhin neue Jobs. Die Nachfrage nach Arbeitskräften wird aufgrund des Ausbaus erneuerbarer Energien und der Energieinfrastruktur auch in den kommenden Jahren hoch bleiben. Um das Potenzial voll auszuschöpfen, müssen Unternehmen, Politik und Bildungseinrichtungen gemeinsam Lösungen für den Fachkräftemangel finden. Quereinsteiger:innen können eine kurzfristige Entlastung bieten, doch nachhaltige Lösungen erfordern eine gezieltere Berufsorientierung, (Teil-) Qualifizierungsangebote für Ungelernte, Quereinsteiger:innen und Fachkräfte aus dem Ausland sowie Rahmenbedingen die einen Wechsel aus anderen Branchen in die Branche der Energiewende erleichtern.
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