Wie geht es jungen Menschen während ihrer Ausbildung? Welche psychischen Belastungen erleben sie? Wie nehmen Unternehmen diese war und welche Unterstützungen bieten sie an? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Web-Konferenz „Mentale Gesundheit in der Ausbildung“ am 9. September 2026.

Die Bertelsmann Stiftung und das Institut der deutschen Wirtschaft stellten dabei die Ergebnisse ihrer gemeinsamen Studie „Mentale Gesundheit in der Ausbildung: psychische Belastungen und Unterstützungsangebote aus Sicht von Auszubildenden und Unternehmen“ vor. Grundlage sind Befragungen von 929 Auszubildenden im Alter von 15 bis 25 Jahren sowie von 1.188 Unternehmen.

 Die Präsentation zur Web-Konferenz: Mentale_Gesundheit_Ausbildung_WebKonferenz

Dirk Werner, Regina Flake und Franziska Arndt vom Institut der deutschen Wirtschaft sowie Fabian Schaffer von der Bertelsmann Stiftung präsentierten die zentralen Ergebnisse den rund 250 Teilnehmenden.

 Mentale Gesundheit als Voraussetzung für den Ausbildungserfolg

Die große Mehrheit der befragten Auszubildenden ist mit ihrer Ausbildung insgesamt zufrieden. Gleichzeitig weist etwa jede siebte befragte Person ein eingeschränktes psychisches Wohlbefinden auf. Besonders deutlich wird der Handlungsbedarf beim Thema Ausbildungsabbruch: Fast drei Viertel (74 Prozent) der Auszubildenden mit stark eingeschränktem Wohlbefinden denken ernsthaft darüber nach, ihre Ausbildung abzubrechen. Bei jungen Menschen mit stabilem Wohlbefinden sind es lediglich 12 Prozent. Psychische Belastungen sind zudem der am häufigsten genannte Grund für Abbruchüberlegungen.

Auch die Unternehmen nehmen Veränderungen wahr. Jedes fünfte befragte Unternehmen weiß von psychischen Problemen oder Erkrankungen unter seinen Auszubildenden. Zugleich berichten viele Betriebe von mehr Krankmeldungen und wachsenden Unsicherheiten im Umgang mit psychisch belasteten Beschäftigten.

Angebote müssen bekannt und vertrauenswürdig sein

Die Befragung zeigt, dass sich viele der befragten Unternehmen bereits für die mentale Gesundheit ihrer Auszubildenden engagieren und entsprechende Angebote schaffen. Viele Auszubildende kennen oder nutzen diese jedoch nicht. Eine geringe Nutzung bedeutet dabei nicht, dass kein Bedarf besteht: Die Jugendlichen bewerten interne Ansprechpersonen, anonyme psychologische Beratung und Trainings zu Stressbewältigung oder Resilienz überwiegend als hilfreich.

Eine zentrale Voraussetzung ist Vertrauen. Rund 35 Prozent der Auszubildenden sprechen psychische Belastungen nicht an, weil sie Nachteile befürchten. Betriebe brauchen daher eine offene Fehlerkultur, verlässliche Ansprechpersonen und Ausbilder:innen, die Warnsignale erkennen und Gespräche führen können, ohne eine therapeutische Rolle übernehmen zu müssen.

Viele Impulse aus dem Publikum

Im Anschluss an die Präsentation der Studienergebnisse ordnete Dr. Thomas Götz, Fellow der Mental Health Alliance, diese aus Mental-Health- und Public-Health-Perspektive ein. Er unterstrich die Bedeutung früher Prävention und einer Unterstützung, die einsetzt, bevor sich Belastungen verfestigen.

Die zahlreichen Fragen und Praxisbeispiele der Teilnehmenden im Chat zeigten, wie groß der Austauschbedarf ist. Diskutiert wurden unter anderem der Umgang mit ersten Anzeichen psychischer Belastungen, die Rolle der Berufsschulen und die Finanzierung präventiver Angebote. Auch verbindliche Regeln zur Smartphone-Nutzung sowie die Zusammenarbeit von Betrieben, Schulen und externen Beratungsstellen beschäftigten die Teilnehmenden.

Mehrere Beiträge machten zugleich deutlich, dass bereits vielfältige Unterstützungsstrukturen bestehen. Damit junge Menschen davon profitieren, müssen diese Angebote leichter zugänglich und besser bekannt sein. Mentale Gesundheit in der Ausbildung ist weder allein eine individuelle Aufgabe der Auszubildenden noch ausschließlich eine betriebliche Verantwortung. Es braucht eine Kultur, in der Belastungen frühzeitig angesprochen werden können, gut vorbereitete Ausbilder:innen und verlässliche Wege zu passender Unterstützung.