Deutschland diskutiert viel über Migration. Ein Blick auf den Arbeitsmarkt zeigt: Ohne Zuwanderung würde die deutsche Wirtschaft in vielen Bereichen nicht funktionieren. 17 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten haben eine ausländische Staatsangehörigkeit. Während die Zahl der deutschen Beschäftigten im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückging, stieg die Zahl der ausländischen Beschäftigten weiter an – auf 5,9 Millionen.

Diese Entwicklung zeigt, wie stark ausländische Beschäftigte den Beschäftigungsrückgang abfedern. Gleiches gilt für den demografischen Wandel. Denn jede:r vierte deutsche Beschäftigte ist 55 Jahre oder älter und wird in den kommenden Jahren aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Bei ausländischen Beschäftigten ist dieser Anteil deutlich geringer. Sie sind im Schnitt also jünger.
Viele Branchen sind längst auf Zuwanderung angewiesen
Besonders sichtbar wird die Bedeutung ausländischer Beschäftigung in Berufen, die für den Alltag vieler Menschen zentral sind. Fast die Hälfte der Beschäftigten in Reinigungsberufen hat eine ausländische Staatsangehörigkeit. In der Lebensmittelherstellung sind es knapp 44 Prozent, in Tourismus, Hotel- und Gastronomieberufen gut 36 Prozent. Auch in der Pflege kommt inzwischen mehr als jede:r fünfte Beschäftigte aus dem Ausland.
Ausländische Beschäftigte leisten damit einen großen Beitrag in Branchen, in denen Fach- und Arbeitskräfte fehlen. Zugleich zeigt unser neues Focus Paper Arbeitsmarktintegration, dass dieses Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft ist.
Große Potenziale bleiben ungenutzt
Besonders groß sind die ungenutzten Potenziale bei Frauen aus Asylherkunftsländern. Während rund zwei Drittel der deutschen Männer und Frauen sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, liegt die Beschäftigungsquote bei Ausländer:innen deutlich niedriger – bei Männern bei gut 59 Prozent, bei Frauen bei knapp 45 Prozent. Besonders groß ist der Unterschied bei Personen aus Asylherkunftsländern. Hier ist nicht einmal jede vierte Frau sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Der Zeitverlauf zeigt: Während geflüchtete Männer acht Jahre nach ihrer Ankunft mit 73 Prozent sogar häufiger beschäftigt sind als der männliche Bundesdurchschnitt, bleibt die Beschäftigungsquote geflüchteter Frauen mit 31 Prozent deutlich niedriger.

Zudem arbeiten viele Zugewanderte unterhalb ihrer Qualifikation. Ausländische Beschäftigte sind deutlich häufiger als Helfer:innen tätig – selbst dann, wenn sie einen anerkannten Berufsabschluss haben. Damit gehen Kompetenzen verloren, die auf dem Arbeitsmarkt dringend gebraucht werden. Für die Betroffenen bedeutet das häufig geringere Einkommen und weniger berufliche Entwicklungsmöglichkeiten.

Sprache, Anerkennung und Behördenprozesse entscheiden
Zuwanderung stützt den Arbeitsmarkt bereits heute. Wie groß ihr Beitrag künftig wird, hängt aber davon ab, ob Hürden auf dem Weg in Arbeit und in qualifikationsgerechte Beschäftigung abgebaut werden. Entscheidend ist, ob Menschen schnell und passend in Arbeit kommen. Dafür braucht es verlässliche Sprachförderung, die mit Qualifizierung und Kinderbetreuung verbunden wird und auch berufsbegleitend möglich ist.
Ebenso wichtig ist die Anerkennung von Abschlüssen und Berufserfahrung. Viele Zugewanderte bringen Qualifikationen mit, können sie in Deutschland aber nicht ausreichend nutzen. Lange Verfahren und unterschiedliche Zuständigkeiten führen häufig dazu, dass Menschen dauerhaft unterhalb ihrer Möglichkeiten arbeiten. Hier braucht es schnellere Anerkennungsverfahren, mehr Kompetenzfeststellungen bei fehlenden Dokumenten und Nachqualifizierungen, die sich mit Arbeit und Familie vereinbaren lassen.
Auch institutionelle Hürden bremsen den Einstieg. Lange Asylverfahren, unsichere Bleibeperspektiven und Schnittstellenprobleme zwischen Ausländerbehörden und Arbeitsverwaltung erschweren den Zugang zu Beschäftigung. Für Unternehmen bedeutet das Unsicherheit, für Zugewanderte häufig verlorene Zeit.
Integration als durchgängige Kette denken
Arbeitsmarktintegration darf deshalb nicht als Abfolge einzelner Zuständigkeiten organisiert sein. Sprache, Anerkennung, Arbeitserlaubnis, Qualifizierung und Kinderbetreuung müssen besser ineinandergreifen. Nötig ist eine zentrale Anlaufstelle – ein One-Stop-System –, das Prozesse bündelt, Daten nur einmal erfasst und Übergänge zwischen Behörden erleichtert.
Die größere Aufgabe liegt nun darin, Integration nicht dem Zufall zu überlassen. Wer Sprachkurse, Anerkennung, Kinderbetreuung und Behördenprozesse besser verzahnt, schafft echte Chancen auf passende Arbeit.
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