Die Bundesregierung plant Änderungen beim Elterngeld. Künftig sollen Eltern höchstens zwölf statt bisher 14 Monate Basiselterngeld erhalten; die vollen zwölf Monate gäbe es nur noch, wenn beide Elternteile jeweils mindestens drei Monate übernehmen. Mindest- und Höchstbetrag sollen leicht steigen: von 300 auf 330 Euro und von 1.800 auf 1.900 Euro.
Der Gesetzentwurf befindet sich noch in der Ressortabstimmung. Klar ist aber schon jetzt: Das Familienministerium soll sparen. Nach Medienberichten geht es um rund 500 Millionen Euro.
Das Ziel, Väter stärker in die Elternzeit einzubinden, ist richtig – die Ausgestaltung überzeugt jedoch nicht. Sie verkürzt die Bezugsdauer und verbessert die finanzielle Absicherung kaum. Damit tritt der Sparauftrag der geplanten Änderungen stärker hervor als ein möglicher Reformcharakter.
Mehrheit wünscht sich 7-7 Aufteilung – Realität ist meist 12-2
Die bisherige Regelung begünstigt das weit häufigste Modell „12 plus 2“: zwölf Monate für die Mutter, zwei Monate für den Vater. In Deutschland nehmen drei Viertel der Väter, die Elterngeld beziehen, bislang nur die zwei Partnermonate. Frauen beziehen im Durchschnitt 11,6 Monate Elterngeld, Männer 2,8 Monate.
Unsere repräsentative Befragung zu Elternzeitpräferenzen hat gezeigt, dass ich viele Menschen eine andere, partnerschaftlichere Aufteilung wünschen. Knapp 44 Prozent der Befragten bevorzugen eine gleichmäßige Verteilung mit sieben Monaten je Elternteil. Frauen und Männer liegen dabei nah beieinander. Die Bereitschaft zu mehr Partnerschaftlichkeit ist also vorhanden, scheitert aber häufig an den Bedingungen, unter denen Familien entscheiden.

Väterbeteiligung braucht finanzielle Tragfähigkeit
Das Elterngeld ersetzt in der Regel 65 bis 67 Prozent des vorherigen Nettoeinkommens. Für viele Haushalte ist jeder zusätzliche Monat mit geringerem Einkommen spürbar, besonders wenn der Vater mehr verdient. Eine Anhebung des Höchstbetrags um 100 Euro ohne eine Erhöhung der Lohnersatzrate federt diesen Verlust kaum ab.
Damit könnten Familien am Ende nicht mehr, sondern weniger Elterngeldmonate nutzen. Wenn der dritte Monat für den Vater finanziell schwer tragbar ist, verzichten Paare möglicherweise auf einen Teil des Anspruchs. Aus der stärkeren Beteiligung von Vätern würde dann in der Praxis eine kürzere Absicherung im ersten Lebensjahr des Kindes.
Drei Monate reichen für strukturelle Effekte kaum aus
Ein dritter Partnermonat ist zwar mehr als bisher, für nachhaltige Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt und in der Aufteilung von Sorgearbeit dürfte die Änderung jedoch zu kurz greifen.
Denn: Laut Untersuchungen des Instituts für Arbeitsmarkt-und Berufsforschung haben zwei Vätermonate kaum einen messbaren positiven Effekt auf eine schnellere Rückkehr von Frauen in den Beruf. Erst, wenn Väter vier bis sechs Monate Elternzeit übernehmen, sinkt die durchschnittliche Erwerbsunterbrechung der Mütter deutlich, von 11,6 auf rund acht Monate.

Drei Monate bleiben damit unterhalb dessen, was für strukturelle Veränderungen notwendig wäre. Sie können ein Signal setzen; aber für eine frühere Rückkehr von Müttern in den Arbeitsmarkt, eine veränderte Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit und stabilere berufliche Verläufe von Frauen reichen sie voraussichtlich nicht.
Genau deshalb schlagen wir mindestens vier Partnermonate vor, verbunden mit einer deutlich höheren Lohnersatzrate, um das Haushaltseinkommen zu stabilisieren. Genau diese Kombination macht längere Elternzeiten auch für den besser verdienenden Elternteil realistischer.
Eine echte Reform wäre eine Investition
Elterngeldpolitik prägt Erwerbsentscheidungen, Karriereverläufe, Alterseinkommen und die Verfügbarkeit von Fachkräften. Sie ist damit Familienpolitik, Gleichstellungspolitik und Arbeitsmarktpolitik zugleich.
Unsere Berechnungen zeigen das Potenzial einer konsequenteren Reform: Mindestens vier Partnermonate und eine Lohnersatzrate von 80 Prozent könnten zusätzliche Beschäftigung im Umfang von rund 200.000 Vollzeitstellen ermöglichen. Auch nach Abzug der höheren Elterngeldkosten würde das Bruttoinlandsprodukt um 16,5 Milliarden Euro steigen.
Eine solche Reform würde im Familienetat zunächst mehr kosten, hätte aber positive Effekte für Wirtschaft, Arbeitsmarkt und soziale Sicherung. Der aktuelle Vorschlag erhöht dagegen den Druck auf Familien, ohne ihnen ausreichend finanzielle Spielräume für mehr Partnerschaftlichkeit zu geben.
Der Staat spart bei jungen Familien
Junge Familien stehen unter erheblichem Druck: steigende Lebenshaltungskosten, knapper Wohnraum, unsichere Betreuungsplätze. Viele wollen Erwerbs- und Sorgearbeit fairer aufteilen. Dafür brauchen sie Verlässlichkeit.
Eine Reform des Elterngeldes sollte Eltern unterstützen, partnerschaftliche Modelle tatsächlich zu leben. Sie müsste finanzielle Einbußen begrenzen, längere Väterzeiten ermöglichen und die Erwerbschancen von Frauen stärken. Der aktuelle Vorschlag fordert mehr Aufteilung, schafft dafür aber keine tragfähigen ökonomischen Voraussetzungen.
In seiner jetzigen Form wirkt der Vorschlag daher weniger wie eine zukunftsgerichtete Reform des Elterngeldes, sondern vielmehr wie eine Sparmaßnahme zulasten junger Familien. Genau das wäre in der aktuellen Lage das falsche Signal. Und das im Koalitionsvertrag vereinbarte Ziel einer höheren Erwerbsbeteiligung von Frauen wird so voraussichtlich ebenfalls nicht erreicht.
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