Reparieren statt wegwerfen, Recycling statt Rohstoffimporte und Produkte, die länger genutzt werden können: Die Kreislaufwirtschaft ist längst kein Nischenthema mehr. Das zeigt sich auch auf dem deutschen Stellenmarkt.  

Der größte Green-Economy-Bereich im Stellenmarkt 

Unsere aktuelle Analyse von über 70 Millionen Online-Stellenanzeigen aus den Jahren 2019 bis 2025 macht deutlich, dass die Kreislaufwirtschaft der mit Abstand relevanteste Teilbereich der Green Economy im deutschen Arbeitsmarkt ist. Im Jahr 2025 wiesen rund 1,5 Millionen Stellenanzeigen einen Bezug zur Kreislaufwirtschaft auf. Das entspricht 15,6 Prozent aller ausgeschriebenen Stellen in Deutschland.  

Damit liegt dieser Bereich deutlich vor Umweltschutz und Emissionsminderung (8,1 Prozent), erneuerbaren Energien (3,5 Prozent) oder Energieeffizienz (3,4 Prozent). Schon 2019 hatte etwa jede achte Stellenanzeige einen Bezug zur Kreislaufwirtschaft. Ab 2023 stieg der Bedarf deutlich an, als Rohstoffknappheiten infolge der Corona-Pandemie und des Ukraine-Kriegs dem Thema zusätzliche Dringlichkeit verliehen haben. 

Politische Regulation und ökonomische Erwägungen treiben die Stellennachfrage 

Kreislaufwirtschaft ist ein inhaltlich weites Feld. Der Begriff umfasst den gesamten Produktlebenszyklus von der ressourcenschonenden Produktentwicklung (Ökodesign) über effiziente Produktion bis hin zu Wartung, Reparatur, Aufbereitung und Recycling am Ende der Nutzungsphase.  

Der Übergang zur Kreislaufwirtschaft gewinnt politisch auf allen Ebenen an Bedeutung und wird zunehmend reguliert. Der EU-Aktionsplan Kreislaufwirtschaft, die EU-Ökodesignverordnung, das Recht auf Reparatur und der für 2026 geplante Circular Economy Act schaffen verbindliche Anforderungen an Unternehmen. Hinzu kommen ökonomische Anreize. Zirkuläre Strategien helfen, Ressourcen zu sparen und Abhängigkeiten von volatilen Importmärkten zu reduzieren. Gerade für die exportorientierte deutsche Wirtschaft, die stark auf Rohstoffimporte angewiesen ist, ist das ein strategisch wichtiger Hebel. 

Enge Verknüpfung mit anderen Teilbereichen und regionale Schwerpunkte in Ostdeutschland 

Viele Stellenanzeigen lassen sich nicht nur einem, sondern mehreren Teilbereichen der Green Economy zuordnen. Stellen mit Bezug zur Kreislaufwirtschaft treten dabei besonders häufig in Kombination mit anderen Bereichen auf.  Das liegt beispielsweise daran, dass kreislaufgerecht entwickelte Produkte oft auch Aspekte des Umweltschutzes berücksichtigen und dazu beitragen, Emissionen zu senken. Ebenso können Sharing-Konzepte als zirkuläre Geschäftsmodelle zur Verkehrswende und Emissionsminderung beitragen. 

Regional fällt auf, dass besonders viele Stellenanzeigen mit Bezug zur Kreislaufwirtschaft in ostdeutschen Städten und Kreisen ausgeschrieben werden. Strukturwandelprogramme und gezielte Förderinvestitionen spielen dabei eine zentrale Rolle. So entsteht etwa in Sachsen das Center for the Transformation of Chemistry. Solche Investitionen ziehen Unternehmen an, können Spillover-Effekte schaffen und den Bedarf an Fachkräften in der Region erhöhen. 

Die Kreislaufwirtschaft leistet einen wichtigen Beitrag dazu, Ressourcen zu schonen, Abhängigkeiten von Rohstoffimporten zu verringern und neue Beschäftigungschancen zu schaffen. Dabei zieht sie sich durch zahlreiche Branchen – diese Vielfalt sollte sich künftig stärker in Förderstrukturen, arbeitsmarkpolitischen Maßnahmen sowie in Berufsorientierung und -beratung widerspiegeln. Qualifizierung sollte entlang des gesamten Produktlebenszyklus ansetzen und Beschäftigte wie Unternehmen dabei unterstützen, neue Anforderungen frühzeitig zu erkennen. Dafür braucht es verständliche Informationen, passende Beratungsangebote und Weiterbildungen, die an vorhandene Kompetenzen anschließen. So kann die Kreislaufwirtschaft zu einem zentralen Hebel für nachhaltige Beschäftigung und wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit werden. 

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