Das zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft, die im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellt wurde. Grundlage ist eine Analyse von rund 70 Millionen Online-Stellenanzeigen aus den Jahren 2019 bis 2025. Unter Green Economy ist eine Wirtschaftsweise zu verstehen, bei der wirtschaftliche Entwicklung, Klima- und Umweltschutz sowie soziale Verantwortung zusammengedacht werden.
Im Jahr 2025 hatte jede dritte ausgeschriebene Stelle in Deutschland einen Bezug zur Green Economy. 2019 war es noch jede fünfte. Insgesamt schrieben Unternehmen im vergangenen Jahr 2,9 Millionen Stellen mit Green-Economy-Bezug aus – bei 9,9 Millionen ausgeschriebenen Stellen in Deutschland insgesamt. Im Vergleich zu 2019 sind das eine Million Stellenanzeigen mehr. Besonders deutlich wird die Bedeutung der Green Economy in der Industrie. Im Jahr 2025 hatten 44 Prozent der Stellenanzeigen von Industrieunternehmen einen Green-Economy-Bezug. 2019 lag dieser Anteil noch bei 33 Prozent. Das macht deutlich: Nachhaltigkeit ist für viele Betriebe nicht mehr nur ein zusätzliches Thema, sondern wird zunehmend Teil ihrer strategischen Ausrichtung.
Wichtig ist dabei: Die Analyse ordnet nicht ganze Berufe, Branchen oder Unternehmen pauschal der Green Economy zu. Gezählt werden Stellenanzeigen dann, wenn sie konkrete Tätigkeiten oder Kenntnisse enthalten, die direkt mit der Green Economy verbunden sind, oder deutlich wird, dass das Unternehmen nachhaltige Produkte beziehungsweise Dienstleistungen anbietet.
Die Green Economy ist mehr als Wind und Solar
Viele denken bei der Green Economy zunächst an erneuerbare Energien. Die Analyse zeigt jedoch, dass sie deutlich breiter ist. Sie reicht von Energieeffizienz und Kreislaufwirtschaft bis hin zu Natur- und Artenschutz, Emissionsminderung und der Verkehrswende. 2025 entfielen 1,5 Millionen ausgeschriebene Stellen auf den Bereich der Kreislaufwirtschaft. Das entspricht 15,6 Prozent aller Stellenanzeigen in Deutschland. Die Kreislaufwirtschaft definieren wir recht breit, wodurch sie den gesamten Produktlebenszyklus umfasst. Von nachhaltigem Design und effizienter Produktion über Reparatur bis zu Wiederaufbereitung und Recycling. Dahinter folgen Umweltschutz und Emissionsminderung mit rund 802.000 Stellen sowie die Verkehrswende mit 420.000 Stellen. Erst an vierter Stelle mit 345.000 Stellen liegen Jobs im Bereich der erneuerbaren Energien.
Besonders stark entwickelt haben sich seit 2019 Stellen rund um Nachhaltigkeitsberichterstattung und Green Finance. Dabei geht es darum, Nachhaltigkeit in Unternehmen sichtbar und vergleichbar zu machen und Kapital gezielt in nachhaltige Investitionen zu lenken. 2025 wurden in diesem Bereich 2,6-mal so viele Stellen ausgeschrieben wie zu Beginn des Untersuchungszeitraums, auch wenn die Zahl zuletzt etwas gesunken ist. Auch bei den erneuerbaren Energien war der Anstieg deutlich: Dort lag die Zahl der Stellenanzeigen beim 2,4-Fachen. In den meisten Bereichen der Green Economy geht der Trend damit weiter nach oben. Anders sieht es bei der Verkehrswende aus. Hier hat sich die Nachfrage nach Personal seit 2023 wieder abgeschwächt. Ausschlaggebend dafür ist, dass die Verkehrswende stark durch die Automobilbranche geprägt wird und diese seit 2023 insgesamt von einer schwächeren Konjunktur betroffen ist.

In Deutschland zeigen sich regionale Unterschiede: Ostdeutschland ist stark in der Kreislaufwirtschaft
Die Green Economy spielt in ganz Deutschland eine Rolle, die einzelnen Bereiche sind jedoch regional unterschiedlich stark vertreten. In Ostdeutschland sind Stellenanzeigen mit Bezug zur Kreislaufwirtschaft sowie zum Umweltschutz und zur Emissionsminderung besonders stark vertreten. Stellen der Verkehrswende konzentrieren sich stärker an Automobilstandorten, vor allem in Süddeutschland. Erneuerbare Energien spielen häufiger im Norden und Südosten eine Rolle, während Green Finance und Nachhaltigkeitsberichterstattung vor allem in Großstädten relevant sind. Diese Unterschiede transparent zu machen ist wichtig, denn es wird deutlich: Es gibt nicht den einen grünen Arbeitsmarkt in Deutschland. Regionen brauchen je nach wirtschaftlicher Struktur unterschiedliche Qualifizierungs- und Fachkräftestrategien.
Green Economy: Jobs sichern, Standort stärken
Die Analyse zeigt: Die Green Economy ist längst auf dem Arbeitsmarkt angekommen. Sie schafft nicht nur neue Tätigkeitsfelder, sondern verändert auch bestehende Berufsbilder in Industrie, Handwerk, Verwaltung und Finanzwesen. Gleichzeitig hängt ihre weitere Entwicklung stark davon ab, ob Unternehmen verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen haben und ob ausreichend Fachkräfte mit den passenden Kenntnissen verfügbar sind. Wer Beschäftigung im Strukturwandel sichern will, sollte die Nachhaltigkeitstransformation deshalb nicht ausbremsen, sondern gezielt unterstützen. Green Economy ist nicht nur Klimapolitik, sondern auch Arbeitsmarkt- und Industriepolitik. Investitionen in nachhaltige Technologien sichern Beschäftigung, können neue Jobs schaffen und machen Deutschland unabhängiger von teuren Rohstoff- und Energieimporten.
Hier geht’s zur Studie.
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